Singt en Leed! Is Aarndank!


O dass ich tausend Zungen hätte
Und einen tausendfachen Mund,
So stimmt' ich damit in die Wette
Vom allertiefsten Herzensgrund
Ein Loblied nach dem andern an
Von dem, was Gott an mir getan!

O dass doch meine Stimme schallte
Bis dahin, wo die Sonne steht!
O dass mein Blut mit Freuden wallte,
Solang es noch im Laufe geht!
Ach wäre jeder Puls ein Dank
Und jeder Odem ein Gesang.

Och harr ik doch man dusend Tungen
un dusend, nich bloots enen Mund!
Wa geern harr ik denn dormit sungen
ut allerdeepsten Hartensgrund
en Leed, en Leed un noch en Leed
vun dat, wat Gott allns an mi dee!

Och wöör mien Stimm to Sünn hoochschalln,
bet dat se an de Steernen dröppt!
Och much mien Bloot vör Freud opwalln,
so lang dat dör mien Adern löppt!
Och weer elk Pulsslag man en Dank
un elkeen Atentoog Gesang.

Was schweigt ihr denn, ihr meine Kräfte?
Auf, auf, braucht allen euern Fleiß
Und stehet munter im Geschäfte
Zu Gottes, meines Herren, Preis!
Mein Leib und Seele, schicke dich
Und lobe Gott herzinniglich!

Ihr grünen Blätter in den Wäldern,
Bewegt und regt euch doch mit mir!
Ihr schwanken Gräslein in den Feldern,
Ihr Blumen, lasst doch eure Zier
Zu Gottes Ruhm belebet sein
Und stimmet lieblich mit mir ein!

Ach alles, alles, was ein Leben
Und einen Odem in sich hat,
Soll sich mir zum Gehilfen geben;
Denn mein Vermögen ist zu matt,
Die großen Wunder zu erhöhn,
Die allenthalben um mich stehn.

Wat sünd ji denn so slapp, mien Kräfft?
Man to, ji sünd noch lang nich all!
Gott laven, dat is juun Geschäfft,
so doot dat luud, mit Freudenschall!
Mien Lief un Seel, kaamt ok tohööcht,
singt Loffleed, dat jeed Hart sik röögt!

Ji gröne Bläder in de Büschen,
nu danzt un russelt doch mit mi!
Ji lütten Grasspiern in de Wischen,
ji Blomen, och wo schöön sünd ji!
Maakt doch juun Schöönheit to Gotts Pries
un singt mit mi en leevlich Wies!

Och allens, allens, wat en Leven
un wat en Aten in sik hett,
dat schall sik mi to'n Hülpsmaat geven,
denn miene Kräfft, de maakt nich wett,
wat ik an Wunner üm mi seh,
dat ik dat wieswarr un erhöh.

Dir sei, o allerliebster Vater,
Unendlich Lob für Leib und Geist,
Für alles, mildester Berater,
Was Deine Güte mir erweist,
Was du in deiner ganzen Welt
Zu meinem Wohlsein hast bestellt.

Mein treuster Jesu, sei gepriesen,
Dass dein erbarmungsvolles Herz
Sich mir so hilfreich hat erwiesen,
Dass es durch Blut und Todesschmerz
Vom Sündenelend mich befreit
Und dir zum Eigentum geweiht.

Auch dir sei ewig Lob und Ehre,
O heilig werter Gottesgeist,
Für deines Trostes süße Lehre,
Die mich ein Kind des Lebens heißt.
Ach, wo ich etwas Guts verricht,
Das wirket nur dein göttlich Licht!

Unendlich, allerleevste Vadder,
heff Dank un Loff för Lief un Geist,
för allns, mien sachteste Berader,
wat du in diene Gööt mi deist,
wat in de Welt du heel un deel
so inricht hest, ok mi to'n Weel.

Mien true Jesu, du wees priest:
Dien Hart hest du, vun Barmen vull,
uns all as gröttste Toflucht wiest —
un weern mien Sünden noch so dull,
dien Opper maakt mi dorvun frie,
in Tokumst höör ik bloots noch di.

Ok di, mien Trööster, will ik priesen,
du Geist, de ut dat Hillge ströömt!
Du deist vull Troost mi ünnerwiesen
un hest mi "Kind vun't Leven" nöömt.
Och, wat ik jichtens Godes do,
giffst du dat göttlich Licht dorto!


Bild: Rudi Witzke

Wer überströmet mich mit Segen?
Bist du es nicht, o reicher Gott?
Wer schützet mich auf meinen Wegen?
Du bist es, Herr Gott Zebaoth.
Du trägst mit meiner Sündenschuld
Unsäglich gnädige Geduld.

Demütig küss' ich deine Rute,
Die du mir aufgebunden hast.
Wie viel tut sie mir doch zugute
Und ist mir eine sanfte Last!
Sie macht mich fromm und zeugt dabei,
Dass ich von deinen Lieben sei.

Ich habe ja mein Lebetage
Es schon so mach liebes Mal gespürt,
Dass du mich unter vieler Plage
Getreulich hast hindurchgeführt.
Denn in der größesten Gefahr
Ward ich dein Trostlicht stets gewahr.

Wie sollt ich nun nicht voller Freuden
In deinem steten Lobe stehn?
Wie wollt ich auch im tiefsten Leiden
Nicht triumphierend weitergehn?
Und fiele auch der Himmel ein,
So will ich doch nicht traurig sein.

'keen hett mit Segen mi beladen?
Büst dat nich du west, rieke Gott?
'keen hett mi schuult op miene Padden?
Dat deist ok du, Herr Zebaoth.
Verschull ik eis en lege Daat,
driggst du mi in Gedüür un Gnaad.

In diene Tucht will ik mi geven,
wiest mi dien Hand mal streng torecht.
Demödig will dien Last ik heven,
se deit mi good un schüht mi recht,
se maakt mi fraam un wiest de Welt:
Ik warr to diene Leven tellt.

Ik bün ja veelmaal all miendagen
wiesworrn: dien Hand, de lenkt un böört
mi dör de Plackeree un Plagen,
un mien tru Gott is't, de mi föhrt.
Denn wüss ik ok nich vör noch trüch,
hett doch dien Troost mi alltied lücht.

Wo schull ik denn nu nich vull Högen
alltied di bi to laven ween?
Heff ik ok mal deep Lied to dregen,
sett ik doch fuchtig een vör een.
Un geiht de Heven sülvst togrunn:
dor warr ik keen Spier trurig vun.


Bild: Bertram Botsch

Drum reiß ich mich jetzt aus der Höhle
Der schnöden Eitelkeiten los
Und rufe mit erhöhter Seele:
Mein Gott, du bist sehr hoch und groß;
Kraft, Ruhm, Preis, Dank und Herrlichkeit
Gehört dir jetzt und allezeit.

Ich will von Deiner Güte singen,
Solange sich die Zunge regt;
Ich will dir Freudenopfer bringen,
Solange sich mein Herz bewegt;
Ja wenn der Mund wird kraftlos sein,
So stimm ich doch mit Seufzen ein.

Ach nimm das arme Lob auf Erden,
Mein Gott, in allen Gnaden hin!
Im Himmel soll es besser werden,
Wenn ich bei deinen Engeln bin;
Da sing ich im höhern Chor
Viel tausend Hallelujas vor.

Nu will'k mi los un leddig rieten
vun allns, wat aapsch is un verkehrt,
mien Seel schall hooch un höger stiegen,
so hooch dien Herrlichkeit ehr böört;
un ik vereen in mien Gesang
dien Kraft, dien Ehr, mien Pries, mien Dank.

Vun diene Goodheit will ik singen,
solang mien Tung sik rögen deit;
en Barg an Freud will ik di bringen,
solang mien Hart in'n Bossen sleit;
un slütt mien Mund sik kraftlos eenst,
deit Süüfzen denn dien Loff un Deenst.

Laat di düt arme Loff toseggen,
mien Gott, wat Beters heff ik nich!
Ganz anners warr'k in't Tüüchs mi leggen
mang all dien Engels, ewiglich
in Freudenchöre sing ik da
veeldusendmal Halleluja!


Bild: Ferdinand /Pixelio

Oginaal-Leed: Johann Mentzer (1658-1734)
Översetten: Marlou Lessing

6.10.2013


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